Brodelnde Lover-Story mit viel Tempo - NN Pegnitz 02.03.2015

Vorausschauend haben die Troschenreuther Theatermacher schon mal sieben Abende für ihr neues Stück „Von Klempnern und anderen Rohrverlegern“ angesetzt. Alle sieben werden bis Ende März proppenvoll sein.

Foto: Thomas Knauber

Das kann man locker vorhersagen. Denn das Stück ist gut. Wahrscheinlich ist es eines der besten aus der Produktion der letzten Jahre. Da rauscht so viel Turbulenz über die Bühne, so viel Witz, so viel mutiger Klamauk bei jedem Schauspieler — man kann dem Regisseur Wolfgang Hempfling nur gratulieren zu seinem Team. Und  zu den Texten. Denn er hat die Vorlage von Imre Bencsik gestrafft und pfiffig gemacht, ohne einen Hauch von Lahmheit drin zu lassen.

Wollte man einen winzigen Kritikpunkt an der Aufführung finden, dann wäre es nur die zweite Pause: Sie könnte weg. Wolfgang Hempfling bekam in den vergangenen acht Wochen bei den Proben etwas Hilfe von Georg Mäder aus Kulmbach, der bei der dortigen Bühne „Das Baumann“ wirkt. „Das gab uns noch mal einen Schub“, sagt Hempfling, „weil man ja doch etwas festgefahren ist.“

„Das Baumann“ liefert immer Stücke, die über Jahre hinweg Renner sind. Dem „Klempner und Rohrverleger“ könnte es ähnlich gehen. Dieses Recycling-Werk, vor zwölf Jahren schon mal hier im „Roten Ochsen“ aufgeführt, hat jetzt eine Dichte und einen verzwickten Liebesgeschichten-Inhalt, dass es nur so brodelt. Dabei geht es darum, dass ein junges Paar seine Zweizimmerwohnung für einen Abend an den Chef und dessen Frau vergibt, die beide ihre jeweiligen Liebhaber mitbringen — aber nicht wissen, dass sie hier aufeinanderprallen, dass sie für ihr Schäferstündchen dieselbe Wohnung besorgt haben.

Grandios ist Jan Madalsky in der Rolle des jungen Zimmereigentümers, der die Konfrontation der Liebespaare vermeiden muss, und dabei von einem Klempner gestört wird. Madalsky legt eine Leistung hin, die vom Premierenpublikum am Ende frenetisch gefeiert wird. Er scherzt, schwitzt, turnt, rennt, tobt, bricht zusammen und lässt am Ende seine Frau los, die das Ganze überhaupt nicht mehr packt.
Beim Mundarttheater Troschenreuth spielt Helmut Dettenhöfer den Chef und Jan Madalsky seinen Angestellten.

Nadine Arnold spielt diese biedere Hausfrau, die der zuckersüß-scharfen Ehegattin des Chefs, Beate Neukam, nicht gewachsen ist. Beate Neukam mimt so zünftig diese geile Dame, dass die Zuhörer aufjuchzen. Aber sie haben noch mehr zum Lachen, wenn Manfred Popp den Klempner gibt oder als dessen Ehefrau Katrin Götz hereinplatzt — wie eine Dampfwalze mit Furien-Charme. Sie erschlägt am Ende mit dem Maurerbrett klangvoll jeden Intriganten, der ihr nur in den Weg läuft, vor allem einen glatten Rechtsanwalt, unter dessen maßgeschneidertem Anzug ebenfalls pralle Lust wogt. Uwe Vogel gibt diesen Mann sehr gut. Er hat zwar nur eine kurze Rolle, aber sein angeboren gutes Talent macht was daraus.

Wer über das ganze Stück hinweg brillant ist, das ist Helmut Dettenhöfer als  sexgieriger Chef. Wie er die verschiedendsten Stimmungen mimisch hinkriegt, wirkt enorm. Er überzieht zwar auch alles, weil es Bauerntheater ist, aber er hat auch den Mut dazu, die Spielfreude und das Können.

Seine Geliebte ist eine zarte Sekretärin, gespielt von Corinna Madalsky. Trotz ihrer schmalen Figur hat sie Bühnenpräsenz. Und trotz ihres biederen Äußeren kann sie verführen.
Zum Geliebten verdonnert

Fehlt noch Hans-Georg Hagen, der Lover der Chefin. Er wurde von ihr zum Geliebten verdonnert und möchte vor diesem Schicksal am liebsten flüchten. Hagen spielt diesen „Herrn Lustlos“ locker und mit einem Augenzwinkern, so fröhlich-charmant wie auch Manfred Popp seine Rolle gibt.

Popp sorgt mitten im Stück für eine Wandexplosion, dass die Fetzen fliegen. Diese ist so präzise angesetzt wie alle Gags am Rande — was dem Stück auch noch eine eigene Qualität mitgibt — neben Musik und Tanz. Es ist ein großer Traumtanz: Der Zimmereigentümer erlebt im Albtraum, wie sich all die geilen Damen und Herren mischen, wie sie ihm mit ihren Cheerleader-Büscheln einheizen, bis er durchdreht.

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