Schokomolla, oder Romeo macht rüber

Sie hatten zu einem "Bijuläum" geladen und lokalpolitische Prominenz und viele Troschenreuther kamen. Der Untertitel lautete "Beim ersten Mal tut's noch weh!", und in der Tat hielten sich zahlreiche Besucher die Bäuche oder schlugen die Hände vor das Gesicht. Sie konnten nicht mehr - vor Lachen! Die Rede ist vom gemeinsamen Jubiläumsabend des Troschenreuther Mundarttheaters und der Feuerwehrkapelle Troschenreuth.

 

Theaterchef Wolfgang Hempfling ließ zwanzig Jahre Mundarttheater in Troschenreuth Revue passieren. 13895 Zuschauer kamen zu 79 Aufführungen der erwachsenen Amateurschauspieler und der Jugendgruppe des Vereins. Letztere hatte mit ihrem Stück "Marina, die kleine Mehrjungfrau" sogar ein Gastspiel in Kulmbach. Fünf ehemalige Jungschauspieler sind mittlerweile fester Bestandteil des Ensembles der Mundarttruppe.

Grußworte sind oft eine langweilige Angelegenheit, diesmal bildeten sie das perfekte "Warm-Up" für die nachfolgende Comedy-Night. Landrat Hermann Hübner outete sich als Fan der Gänsebraten des "Kulturdorfs" Troschenreuth und zeigte sich erstaunt über die doch recht anrüchigen Titel der Theaterstücke. Seinem Stellvertreter, Altbürgermeister Manfred Thümmler, der Mitglied im Theaterverein ist, empfahl erunter tosendem Applaus, ab nächsten Sommer in die Proben mit einzusteigen. Da würde er sicher eine Traumrolle bekommen, beispielsweise als liebestoller Großvater.

Bürgermeister Uwe Raab nahm die Vorlage des Landrats dankend auf und bezeichnete Troschenreuth angesichts solcher Theater-Titel wie "Urlaub vom Ehebett", "Die Jungfernsteuer", "Prinzessin Europas göttlicher Sex" oder "Hände weg von meinem Pelz!" als "Rotlichtbezirk von Pegnitz". Einen Sperrbezirk werde es aber nicht geben. Mundarttheater und Feuerwehrkapelle bezeichnete er als Bereicherung der Kulturszene der Stadt.

Pfarrer Josef Hell fühlte sich von seinen Vorrednern provoziert und stellte die Frage "Ist Troschenreuth ein sündiges Dorf?", worauf ihn ein vielstimmiges "Nein" aus dem Saal entgegen schallte. "Ist Troschenreuth eine erotische Hochburg?" "Ja!" lautete die einhellige Antwort, was Pfarrer Hell zur Feststellung veranlasste "Ich muss Euch öfter in die Kirche einladen!". Wo Musik ist, ist es schön, stellte er fest, und die Feuerwehrkapelle Troschenreuth mache gute Musik. Auch zwanzig Jahre Theater seien kein Besenstil, lobte der Pfarrer.

Tobias Maul blickte auf die Entstehungsgeschichte der Feuerwehrkapelle zurück. Nach dem Tod von Werner Stolze, dem damaligen Leiter der Troschenreuther Blaskapelle zerbrach diese Gruppe. Ein loser Zusammenschluss von Musikern wurde aufgrund ihrer einschlägigen "Auftritte" schnell "Jenseits-Symphoniker" genannt, so Maul augenzwinkernd. Im Jahr 2008 konnte man dann unter das Dach der Feuerwehr schlüpfen und nach einem Aufruf per Flyer und Zeitung fanden sich genügend Musiker für eine neue Kapelle zusammen. Die Leitung übernahm der stellvertretende Kommandant der Wehr, Martin Dürtler, der schon über viele Jahre Konzerterfahrung aufweisen konnte. Von der Qualität und musikalischen Vielfalt des Repertoires angetan, versprach Landrat Hübner der Kapelle ein Engagement auf Landkreisebene.

Zur Vorbereitung des Comedyabends hatte das Mundarttheater eigens die Kultur- und Theaterpädagogin Helga Liewald aus Wiesbaden engagiert, mit der in einem dreitägigen Workshop die Grundlagen erarbeitet wurden. Feuer müsse in den Darbietungen liegen, so ihre Anweisungen. Die Sketche, allesamt selbst geschrieben, hatten es dann auch in sich. Den Anfang machte "Feuerwehrkommandant" Manfred Popp, der mit seiner chaotischen Truppe (Jan Madalsky, Julian Laier, Kilian Dettenhöfer) wegen "Gefahr in Verzug" das Kommando im Saal übernahm und kurzerhand sogar den Landrat und den Bürgermeister absetzte. Endlich konnte dann doch die vom Theaterausflug nach Verona mitgebrachte Abschiedsszene von Romeo und Julia (Kilian Dettenhöfer und Melissa Heieis) dargeboten werden, diesmal noch streng dramatisch nach dem Original. Beate Neukam und Helmut Dettenhöfer vom neugegründeten Verein Wauzi Wau Wau e.V. hatten so ihre Mühe mit Hasso (Karolin Buchfelder), Knuffi (Daniela Förster) und Schnuffi (Kerstin Vogel). Letztendlich konnte dann aber doch der versprochene Hundetanz aufgeführt werden. Einen Beutel mit den "Hinterlassenschaften" der Vierbeiner musste dann Bürgermeister Raab entgegen nehmen, da die Stadt ja die Aufstellung eines entsprechenden Abfallbehälters abgelehnt hätte.

Mit breitem Akzent und schnellem Revolver verlegten dann Kerstin Vogel und Hans-Georg Hagen, sehr zum Vergnügen der johlenden Zuschauer, Romeo und Julia in den wilden Westen. Wiedergefunden wurde dann ein lang verschollenes Rezept zur Herstellung von Schokomolla, dass die "Druiden" des Dorfes vor langer Zeit erfunden hätten. Melissa Heieis, Wolfgang Hempfling, Uwe Vogel und Hans-Georg Hagen tobten hier in atemberaubenden Tempo über die Bühne. Das Gasthaus "Zum Roten Ochsen" wurde dann kurzerhand zur ersten und einzigen lizensierten Schokomollabar der Welt ernannt, Kostproben für alle inklusive.

Ein Romeo, der für seine Geliebte sogar ins Gefängnis nach Bautzen gehen würde, und eine Julia, die in aber drängte, nun endlich "rüberzumachen", sorgten fast für Schnappatmung beim Publikum, so urkomisch brachten Carmen Neukam und Jan Madalsky die Szene im feinsten Ost-Dialekt rüber. "Und ich denk so für mich, etz kummt no ans nei" besang Helmut Dettenhöfer einen typischen Wirtshausbesucher. Als sich dann "Macker" Uwe Vogel im Straßenslang von seinem "voll krassem Bunny" (Karin Wiesend) verabschiedete, um nicht seinen Häschern, sprich der Drogenfandung in die Hände zu fallen, gab es im Saal kein Halten mehr. Einen Kurzauftritt als Studiotechniker hatte Andreas Sporrer, der ansonsten zusammen mit Tim Lange die eindrucksvolle Licht- und Tontechnik bediente.


Den Höhepunkt bildete dann ein Spiel des FC Troschenreuth gegen die deutsche Nationalmannschaft. Moderator Wolfgang Hempfling entlockte dabei Bundestrainer Jogi Löw (Uwe Vogel) erstaunliche Weisheiten, ehe die im Trainingslager stark lädierte Troschenreuther Mannschaft von Schwester Pauline (Kerstin Vogel) auf wunderbare Weise geheilt wurde. Dann folgte, in Zeitlupe, der Siegtreffer der Troschenreuther samt Jubelfeierlichkeiten, perfekt inszeniert mit "schwebendem" Ball und stimmiger Choreographie. Zum Abschluss dann, vom Publikum mit Standing Ovations bedacht, ein gemeinsamer "Tiger Rag" von Feuerwehrkapelle, eingeleitet von einem tollen Schlagzeugsolo von Marius Uber, und den mit Löffeln, Töpfen und ähnlichen "Instrumenten" bewaffneten Schauspielern.

 

Abgerundet wurde der mehr als gelungene Abend von einem Drei-Gänge-Menü ("Kultur trifft Gans", wie es Landrat Hübner formulierte). Insgesamt eine tolle Veranstaltung mit Musik, Tanz, Slapstick und Comedy, die einfach wiederholt werden muss.

 19.11.2013 troschenreuth.de / H. Saß

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