Nordbayerischer Kurier, 19.01.2010

Tiefe Falten statt Kosmetik

 
Frauen, so will es ein Klischee, fühlen sich geschmeichelt, wenn sie jünger aussehen, als sie sind. Betuchte – meist Filmschauspielerinnen – greifen da schon mal zum Schönheitschirurgen, zu Botox oder zu einem Sammelsurium an Kosmetik. In Troschenreuth scheint dies ganz anders zu sein, hier gehen die Uhren offenbar anders.
 
Am Wochenende gab es für sechs Troschenreuther Frauen einen Schmink- beziehungsweise maskenbildnerischen Kurs der ganz anderen Art: Sie wollten entgegen dem allgemeinen Trend zum Jugendwahn älter wirken, als sie sind – und zwar enorm älter.
 
Dabei handelte es sich auch nicht um pubertierende Teenies, die gerne das eine oder andere Jährchen älter wirken wollen, sondern um Frauen, die mitten im Leben stehen. Warum sich also älter machen? Wollen sie ihre Ehemänner schocken?
 
Nichts von alledem. Den Kurs mit der professionellen Maskenbildnerin Anja Schnatmann aus München, die unter anderem an der bayerischen Theaterakademie unterrichtet und auch Kurse für den Verband der bayerischen Amateurtheater veranstaltet, gab es für sechs Laiendarstellerinnen des Troschenreuther Mundarttheaters.
 
Das Stück, welches das Mundattheater im Februar auf die Bühne des Gasthauses Zum Roten Ochsen auf die Bühne bringt, heißt „Sex, Arsen und harte Stühle“ und ist eine schwarz-humorige Kriminalkomödie in bester englischer Tradition. Um die rabenschwarze Geschichte von C. B. Gilford aus dem Jahr 1957 mit dem Originaltitel „Bull in a China Shop“ aber authentisch zu spielen, braucht es dazu sechs ältere Damen, die in einer privaten Seniorenresidenz miteinander wohnen, streiten und sich gemeinsam in einen jüngeren Kommissar verlieben, der als Junggeselle gegenüber in der Straße wohnt.
Stellt sich die Frage, mit welcher Methode die Damen näher an den jungen, gut aussehenden Polzisten herankommen, der im Morddezernat arbeitet. Das Publikum wird es erfahren. Das Troschenreuther Mundarttheater hat nicht nur tief in die Tasche für die Genehmigung für die deutsche Fassung von F. Konerding gegriffen, sondern eben erstmals auch einen Kurs in Sachen Theatermaske für ihre Darstellerinnen durchgeführt.
 
Dabei konnten die Frauen des Laientheaters nicht nur viel Erfahrung im raschen „Älterwerden“ mit Schminkstift, Puder, Haarteilen und gegebenenfalls auch Latex sammeln, sondern sich allgemein Wissen von Maskenbildnerin Schnatmann aneignen, auch für künftige Theaterstücke.
 
Von Klaus Trenz
Nordbayerischer Kurier, 19.01.2010

Drucken E-Mail