Wenn sich Erben gegenseitig zerfleischen - nordbayern.de, 13.03.2017

 

PEGNITZ - Tante Martha hat es geahnt: Nach ihrem Tod wird sich die Familie um das Erbe zerfleischen. Keiner wird mehr dem anderen trauen und jeder wird versuchen, für sich den größten Vorteil herauszuschlagen: Das Troschenreuther Mundarttheater hat die Komödie "Letzter Wille – ein Leichenschmaus in fünf Gängen" von Fitzgerald Kusz auf die Bühne gebracht. Am Freitag war im Gasthaus "Zum roten Ochsen" Premiere. Weitere acht Vorstellungen folgen.
 Erben reimt sich bei Fitzgerald Kusz zwischendurch auch auf Sterben. Jedenfalls beinahe. In der Komödie des Troschenreuther Mundarttheaters geht man sich schon einmal gegenseitig an die Gurgel . . . Foto: Klaus Trenz


 

Eigentlich ist das Thema "Erbschaft" ein durchaus ernstes: Die sinistren Intrigen, die im Laufe des Erbschaftsprozesses im Stück ausgeheckt werden, findet man alle im wahren Leben wieder. Kusz wollte mit der bitterbösen Komödie das Publikum nicht nur unterhalten, sondern ihm auch den Spiegel vorhalten. Das tut das Troschenreuther Mundartheater in seiner ureigenen Art: Nicht vordergründig, sondern augenzwinkernd und mit einer großen Portion Spielfreude.

Mehrere Testamente der verstorbenen Tante Martha bringen Turbulenz in die nur vordergründig trauernde Familie. Olga, die Schwester von Martha, ist die Boshaftigkeit in Person. Immer wieder betonend, dass sie angeblich "nix vom Erbe" will, streitet sie sich mit dem Rest der Familie schon bald um jede Kaffeetasse.

Daniela Förster spielt die resolut-durchtriebene Olga so, dass man gar nicht genug davon bekommen kann. Dabei ist sie erst im Januar für Katrin Götz eingesprungen, die ihre Rolle abgeben musste, weil sie einen Unfall hatte. Dann wurde bei den Troschenreuthern untereinander etwas rochiert und sinnvoll Rollen getauscht.

Zu allem Übel hatte sich eine Woche vor der Premiere Manfred Popp, der den Hausmeister Rau spielen sollte, an der Hand so verletzt, dass er bis auf weiteres ausfällt. Regisseur Georg Mädl ist eingesprungen und spielt die Rolle so überzeugend, dass dem Publikum nicht im geringsten auffällt, hier einen "Einspringer" vor sich zu haben.

Wolfgang Hempfling und Hans-Georg Hagen geben als die Neffen Heinz und Kurt glaubwürdig Rivalen ab, die sich nur dann lieb haben, wenn es um gemeinsame fiese Pläne geht, um sich später umgehend wieder in die Haare zu geraten. Gut hat es dabei meistens Siggi, die Frau von Kurt. Permanent alkoholisiert scheint ihr das Spektakel ziemlichen Spaß zu bereiten. Genauso wie dem Publikum. Spannung ist garantiert bei der Bearbeitung des fränkischen Stoffs, den das Laien-Ensemble überzeugend umgesetzt hat.

Die nächsten Aufführungen finden an den kommenden vier Wochenenden jeweils am Freitag und Samstag um 19.30 Uhr statt. Für einen Teil der Vorstellungen gibt es nur noch wenige freie Plätze. Karten im Vorverkauf gibt es online unter www.mundarttheater. de. oder bei Schreibwaren Wöckel-Löhr in der Hauptstraße in Pegnitz.

KLAUS TRENZ

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