Mundarttheater Troschenreuth hat die Qual der Wahl - nordbayern.de 30.03.2016

Viele Vereine haben Probleme, jungen Nachwuchs herzubekommen. Nicht aber das Troschenreuther Mundarttheater. Hier hat man bei Castings für verschiedene Stücke manchmal sogar die Qual der Wahl. Das Foto vom Auftritt des Mundarttheaters Troschenreuth zeigt (von links) Julian Laier, Elena Arnold, Tina Laier und Marco Bößl. Das Foto vom Auftritt des Mundarttheaters Troschenreuth zeigt (von links) Julian Laier, Elena Arnold, Tina Laier und Marco Bößl. Ralf Münch

„Beim Stück Charleys Tante wollten wir junge Leute auf der Bühne haben und mussten auswählen, wer am besten zur jeweiligen Rolle passt“, ist der Vorsitzende des Theaters, Wolfgang Hempfling, über den Zuspruch der jungen Männer und Frauen begeistert. Bereits Achtjährige spielen hier im Jugendtheater schon mit.

So wie es die inzwischen 16 Jahre alte Tina Laier getan hatte, bevor sie jetzt eben im Erwachsenentheater auf der Bühne steht. Sie sitzt gerade im Schminkraum und macht sich für ihren Auftritt fertig. „Damals hatte ich drei kleine Nebenrollen. Als Bäckerin, Ratte oder Schülerin. Es macht einfach riesigen Spaß. Und außerdem bin ich auch mit dem Theater verbunden, weil mein Stiefvater hier auch mitspielt“, erklärt sie.

Bruder und Stiefvater involviert

Und nicht nur ihr Stiefvater, sondern auch ihr 20-jähriger Bruder Julian Laier, der hier den Studenten Tom mimt — fast schon scheint hier eine kleine Theaterfamilie auf den Brettern zu stehen. Auch Julian Laier spielte wie seine Schwester 2008 beim „Rattenfänger“ im Jugendtheater mit und sagt: „Ich schaue mir gerne Theater an. Irgendwann dachte ich mir, dass ich das doch auch können müsste.“

Die 15-jährige Elena Arnold sagt: „Im Grund genommen wurde ich in das Theater hineingeboren. Mein Opa hat früher das Theater geführt, meine Mutter steht auf der Bühne und mein Vater hatte hier auch schon eine Rolle. Da ist es naheliegend, dass ich hier auch mitmache.“ Auch sie spielte 2008 im Jugendtheater mit. 2014 wagte sie sich zum ersten Mal auf die Bühne mit den „Großen“. Das war aber nur eine kleinere Rolle, dennoch hat sie seitdem das Theaterfieber gepackt und sie will, so lange es geht, hier mitmachen: „Wenn dort unten 200 bis 300 Zuschauer applaudieren, ist das schon richtig toll.“

Für den 17-jährigen Marco Bößl ist es das erste Mal, dass er vor Publikum steht. Der Grund, weshalb er den Charley spielt, ist einfach: „Letztes Jahr war ich Zuschauer und war begeistert. Als dieses Jahr gesagt wurde, dass junge Leute gebraucht werden, habe ich auch gleich beim Casting mitgemacht. Ich wollte sowieso schon immer einmal in einem Stück spielen. Da kam das gerade richtig.“

„Theaterspielen ist wie eine Art Mannschaftssport. Auf der Bühne verlässt man sich auf die anderen. Und wenn man einmal ins Stocken kommt, dann hilft man sich auch. Besonders für die jungen Leute entsteht dadurch ein Gefühl der Kameradschaft. Und außerdem schafft es Selbstvertrauen, auch später einmal im Beruf. Und die jungen Leute merken das auch“, sagt Hempfling, wenn man ihn nach den Gründen für die ausbleibenden Nachwuchsprobleme fragt. Und was sagen die vier jungen Schauspieler dazu? Nur eines: „Stimmt.“ 

RALF MÜNCH / Veröffentlicht Nordbayerische Nachrichten am 30.03.2016

Drucken